Erfahrungsberichte von Eltern

TIMUR

Unser Großer wächst zweisprachig auf, weswegen wir uns Lange haben „vertrösten“ lassen. Jeder Arzt mit dem wir in den ersten Lebensjahren von Timur Kontakt hatten winkte ab und wies uns darauf hin, dass zweisprachig erzogene Kinder in der Regel immer länger brauchen würden bzgl. der sprachlichen Entwicklung, aber wenn der „Knoten“ erstmal geplatzt sei, dann gäbe es kein Halten mehr. Mit der Einschätzung haben wir uns erst einmal arrangiert und zum Glück ist Timur pfiffig genug, um sich mit Hilfe von Gesten etc. auch so verständlich machen zu können.

Die Zweifel und die Unsicherheit blieben und als man uns im Regelkindergarten – in dem Timur unterging (20 plus X Kinder, davon ein Großteil mit Migrationshintergrund) – von dem Sprachheilkindergarten erzählte, waren wir Anfangs verärgert. Wie konnte es sein, dass viele Ärzte und U-Untersuchungen, Gesundheitsamt etc. nicht auf solche Institutionen hinweisen / empfehlen und man als Eltern sich selbst überlassen bleibt? Verärgert aber auch über uns selbst, dass wir nicht früher mehr von den Ärzten gefordert haben.

Im Sprachheilkindergarten angekommen, ist der Funke direkt übergesprungen und ich hegte innerlich die ganz große Hoffnung, dass Timur in die Pony-Gruppe kommen würde. Das ist selbstverständlich keine Abwertung oder mangelnde Wertschätzung ggü. den anderen Gruppen und deren Erzieherinnen, aber hier sagte mir mein Bauch, dass sich Timur schnell wohl fühlen würde.

An der Stelle auch noch einmal ein Lob und Dank an Frau Schnettker! Ihre Erfahrung und Menschenkenntnis haben den „übergesprungenen Funken“ sehr gut bewertet und wir sind froh, dass Timur dann tatsächlich in der Pony-Gruppe aufgenommen wurde.

Zum Alltag im Kindergarten kann ich sagen, dass sehr gut auf die Bedürfnisse aller Beteiligten (inkl. Eltern) eingegangen wird. Die festen Abläufe und Rituale geben den Kindern Orientierung und halt, von der – aus unserer Sicht – optimalen Betreuung und dem Betreuungsverhältnis (mind. 2 Erzieher für 7 Kinder) mal ganz zu schweigen. Wir hatten den Eindruck, dass unsere Familie „größer“ geworden ist und Ingrid, Antje und Ellen schon dazu gehörten.

Wichtig ist – und das stellt sich jetzt in neuer Umgebung heraus – die intensive Einbeziehung der Eltern, welche jederzeit an den Therapien teilhaben können und die dann auch Ihre Hausaufgaben mitbekommen. Für mich als berufstätiger Vater ist die Kommunikation per Mail ganz besonders hervorzuheben, da dies mein Mittel ist, um kurz relevante Informationen auszutauschen (Krankheit, Arzttermine etc.).

Was mich sehr beeindruckt hat, ist die Bereitschaft aller Beteiligten sich so intensiv auf neue Kinder und neue Situationen einzulassen und dabei nicht nur bekannte Wege zu beschreiten, sondern auch Neues (Stichwort Weiterbildung) zu erlernen und anzuwenden. Die Diagnose „verbale Entwicklungsdyspraxie“ ist wohl nicht so häufig anzutreffen und trotzdem haben sich alle intensiv damit auseinandergesetzt und die Therapien optimal auf unseren Befund eingestellt.

Leider haben wir uns – um den Kindern eine dauerhaft stabile Umgebung zu schaffen – dazu entschlossen umzuziehen und am liebsten hätten wir den Kindergarten gleich mit in den Umzugswagen „eingepackt“. Wir sind dankbar und froh um die tollen Menschen, Erfahrungen und Fortschritte, die Timur dank des Sprachheilkindergartens zwischenzeitlich gemacht hat und können die Einrichtung uneingeschränkt jedem empfehlen, der auf der Suche nach einem forderndem und liebevollen Umfeld ist!

Viele Grüße, Familie K.

ANNI

Sprachheilkindergarten? Ist das der richtige Weg für Anni? Wenn alle nicht richtig sprechen können, wie kann sich dann Annis Sprache verbessern?

Wir waren ratlos. Im Umfeld hieß es fast eintönig „... das gibt sich schon … sie braucht eben etwas länger...“.
Aber wir sind doch schon seitdem Anni 3,5 Jahre alt ist beim Logopäden, diesen haben wir auch bereits einmal gewechselt. Aber reicht das? Müssen wir mehr machen? Wollen wir zu viel?

In dem Kindergarten in dem Anni war, hatte sie viele Freunde, war super integriert, die Erzieher und die anderen Kinder waren optimal auf sie eingestellt, es ging ihr gut und uns Eltern auch. Aber reicht das? Kann Anni so wirklich sprachliche Fortschritte machen? Wäre eine kleinere Gruppe nicht besser?

Wir hatten mehr Fragen als Antworten und noch schlimmer, wir wollten Anni nicht überfordern, ihr die Zeit geben die sie braucht und sie dennoch fördern.

Eltern die nicht in dieser Situation stecken, können die Sorgen nicht teilen. Oft wirkte es, als wollte unser Umfeld uns eher trösten oder beruhigen. Doch dieser Trost war nicht das, was wir suchten.

Wir haben uns für den Sprachheilkindergarten entschieden. Anni hat im Alter von 4,5 Jahren einen Platz bekommen. Die Entscheidung war von Anfang an richtig. Rückblickend betrachtet war sie sogar noch besser.

Die Frage: Macht es Sinn ein Kind mit Sprachproblem mit anderen Kindern zu umgeben die ebenfalls Sprachprobleme haben?

Die Antwort: Ganz deutlich ja.

Die Begründung: Das Störungsbewusstsein.

Wir konnten vor dem Besuch des Sprachheilkindergartens mit diesem „Unwort“ wenig anfangen. In den vielen Untersuchungen (sei es im UKE, MHH, SPZ oder bei den Logopäden) fiel immer der Begriff „Störungsbewusstsein“ oder sogar „ausgeprägtes Störungsbewusstsein“.

Wir haben das tatsächlich unterschätzt. Anni hat zu Hause mit uns gesprochen und sich auch im Kindergarten mitgeteilt. Allerdings wissen wir alle wie gemein Kinder sein können. Es fielen da auch schon Sätze wie: „Anni, sprich doch nicht immer nur Babysprache.“

Erst im Sprachheilkindergarten haben wir gemerkt was es bedeutet, wenn alle Kinder ein Sprachproblem haben und das Störungsbewusstsein unwichtig wird. Anni hatte keine Angst „falsch“ zu sprechen. Das war ein entschiedener Baustein in Annis Entwicklung. Plötzlich konnten wir hören, wie viel Anni sprechen will. Das war ein unglaubliches Gefühl.

Der Ausspruch: Sprache lernt man durch sprechen, bekam eine neue Bedeutung. Es ist tatsächlich so. Unser Schulenglisch wird mit den Jahren schlechter wenn wir nicht sprechen, wie soll Anni da sprechen lernen wenn sie nicht spricht?

Wir sind der festen Überzeugung, dass nur diese Umgebung, in dem geschützten Raum des Sprachheilkindergartens überhaupt erst den Rahmen für eine sprachliche Entwicklung geschaffen hat.

Sämtliche weiteren Faktoren sind in optimaler Weise vorhanden.

Mäusegruppe:

Dort waren nur 7 andere Kinder, ein Erzieher und eine Erzieherin sowie einen zusätzliche Kraft (Auszubildende/r). Anni hat sofort Vertrauen gefunden. Der alte Kindergarten wurde nie vermisst. Frau Kreutz und Herr Meißner haben einen super Übergang ermöglicht. Beide haben einen tollen Blick für die Kinder und eine souveräne und liebevolle Ansprache.

Fahrdienst:

Allein mit dem Taxi fahren? Kein Problem. Die Fahrer sind sehr schnell zu Freunden geworden. Berührungsängste wurden schnell abgelegt. Für Anni war es jeden Morgen ein Highlight mit dem Taxi abgeholt zu werden. Plötzlich war sie schon groß, konnte etwas ohne Mama und Papa (beim Einkaufen, Busfahren etc. war immer die Sprache bzw. das Störungsbewusstsein ein Problem).

Kommunikation:

Wir wussten immer wie es Anni in der Gruppe geht, was geplant ist, ob etwas fehlt, einfach alles. Es gab ein Mitteilungsheft für die Eltern – Erzieher Rücksprachen. Der telefonische Kontakt war jederzeit möglich. Besonderes erfreulich war für uns allerdings, dass der Kontakt per Email super funktioniert hat.

Umgebung:

Der Gruppenraum war klar strukturiert. Garderobe, Waschraum, Küche, Leseraum mit Sofa, Gruppenraum mit Esstisch und Hochebene. Für nur acht Kinder – sehr viel Platz. Besonders auffällig war, wie gut die Stimmung im Raum ist. Frau Kreutz und Herr Meißner haben es geschafft eine wunderbare, liebevolle Umgebung zu schaffen. Das hat uns bei jedem Besuch aufs Neue beeindruckt. Diesen Eindruck hatte wir auch bei sämtlichen Veranstaltungen des Kindergartens. Die Mitarbeiter wirken alle sehr motiviert und engagiert. Sie schienen alle an einem Strang zu ziehen und in die selbe Richtung zu arbeiten. Wir wurden als Eltern immer persönlich angesprochen. Alle wussten wer wir sind, und dass Anni unser Kind ist. Dies schafft Nähe und Vertrauen und gab uns immer ein gutes Gefühl der Geborgenheit.

Förderung:

  • Logopädie als Einzel- und Gruppenangebot
  • gezielte, spielerische Aufforderung zum Sprechen im Gruppenalttag
  • Klare Strukturen und Muster (Bsp: Beim gemeinsamen Frühstück, „Gib mir bitte mal die Butter, gib mit bitte mal den Käse“, etc)
  • Vorbereitung auf die Schule für die großen Kinder
  • Zahlen und Mengen Übungen
  • Lubo der Außerirdische besucht die großen Kinder – externe psychologische Expertise
  • und wohl noch Einiges was uns gar nicht aufgefallen ist

Organisation:

Für Themen in Annis Gruppe war unser Ansprechpartner Herr Meißner, er hat sich sehr engagiert um alle „gruppeninternen“ Belange gekümmert und war immer zuverlässig und schnell erreichbar.

Ansonsten war unsere Ansprechpartnerin Frau Schnettker. Es gab nichts wobei sie uns nicht helfen konnte. Sie hat uns bei jedem (auch zufälligen) Aufeinandertreffen persönlich und mit Namen begrüßt. Frau Schnettker schafft es Professionalität mit persönlicher Ansprache und Nähezu verbinden. Frau Schnettker war unsere Erachtens die gute Seele des Kindergartens. Trotz aller organisatorischer Verantwortung war sie sehr nah am Erzieherteam und an den Eltern.

Wir sind sehr froh uns für den St. Bonifatius Sprachheilkindergarten entscheiden zu haben!

Vielen Dank an das gesamte Team

und an alle die es bis hier gelesen haben :)

Carlos Weg in die Igelgruppe des Sprachheilkindergartens

Carlo ist heute 6 Jahre alt und kam im Sommer 2015 in den Sprachheilkindergarten. Die Freude war sehr groß, einen Platz in dieser tollen Einrichtung bekommen zu haben!

Wie es dazu kam:

Dass Carlo ein sprachliches Defizit hat, war im Alter von 3-4 Jahren deutlich zu hören. Er sprach zwar viel und ohne Punkt und Komma, aber ließ viele Buchstaben einfach weg und entwickelte seine eigene Sprache. Nach Rücksprache mit unserem Kinderarzt, wäre es aber alles im normalen Rahmen. Wir sollten uns keine Sorgen machen, Jungs seien da etwas langsamer und im Kindergarten käme das meistens von selbst.

Das beruhigte uns und wir dachten, gut es wird kommen, schließlich wird Carlo auch erst 4.

Im „normalen“ Kindergarten, den Carlo mit dem 3. Geburtstag besuchte, taten sich alle sehr schwer. Wir als Eltern, der Kindergarten und vor allem Carlo verzweifelten.

Er versuchte auf seine Art und Weise, sich mitzuteilen. Was für Außenstehende natürlich nicht einfach zu verstehen war. Die Folge: er stieß auf Unverständnis, entwickelte dadurch Aggressionen. Schreien, Türen knallen, sich selbst hauen und verletzten, standen auf der Tagesordnung. Er wollte nicht mehr in den Kindergarten. Die Psyche war mittlerweile so angeknackst, dass alles Schmerzen verursachte. Decken, Bündchen von Jacken oder Pullovern, Hausschuhe, die er schon so oft an hatte, beengten ihn so sehr. Seine kleinen Nerven und auch die unsrigen lagen blank. Jeden Tag flossen viele Tränen.

Es war sehr schmerzlich, seinen kleinen Sonnenschein so leiden zu sehen. Somit stand fest, wir wechseln in einen anderen Regelkindergarten.

Hier lief es deutlich besser. Carlo fasste neues Vertrauen in die Erzieherinnen und Kinder und blühte auf. Er hatte hier 2 tolle Kindergartenjahre, einige Freunde, die ihn so nahmen wie er war. Psychisch war Carlo wieder gestärkt und wusste wieder genau, was er möchte und was nicht. An der sprachlichen Entwicklung hat sich trotz regelmäßigem Logopädieunterrichts nicht merklich viel getan.

In jedem Elterngespräch versuchten uns die Erzieherinnen zu überzeugen, dass Carlo im Sprachheilkindergarten besser aufgehoben wäre und sicher tolle sprachliche Erfolge haben würde! Da der Kinderarzt aber bei jedem Besuch meinte, wir sollen ruhig noch warten und die Logopädiestunden würden ausreichen, schoben wir den Sprachheilkindergarten wieder aus unseren Gedanken.

Nun rückte der Termin der Einschulung immer näher und für uns stand fest, Carlo kann so auf keinen Fall in die Grundschule eingeschult werden.

Wir ließen die Worte der Elterngespräche noch mal Revue passieren und haben uns einen ersten eigenen Eindruck vom Sprachheilkindergarten verschafft. Das Telefonat mit Frau Schnettker war sehr nett und wir fühlten uns verstanden. Sie lud uns zu einer Schnupperstunde -noch ohne Carlo- ein und zeigte uns den kompletten Kindergarten. Alle Erzieher/innen wurden uns vorgestellt, in jeden Gruppenraum durften wir einen Blick werfen und Smalltalk mit den Kindern und Erziehern halten. Kleine Gruppen mit je 8 Kindern, zwei Erzieher/innen, Logopädin, Ergotherapeutin und z.T. Praktikantin, komplette ausgewogene Verpflegung, liebevoll gestaltete Gruppenräume, schönes Außengelände zum Spielen und Toben … Es war einfach fantastisch was wir dort mit eigenen Augen sehen konnten. Unsere Erwartungen waren mehr als übertroffen.

Wir stellten fest, es sind tatsächlich Kinder dort, welche exakt das gleiche Problem wie unser Sohn haben.

Nun war klar, hier soll Carlo auf jeden Fall auch die Chance bekommen, um seine sprachlichen Fortschritte vor der Einschulung zu machen. Es folgten Termine und Untersuchungen beim Gesundheitsamt. Einige Formulare mussten ausgefüllt werden. Nun hieß es abwarten. Nach einigen Wochen war die offizielle Zusage im Briefkasten, Carlo wurde im Sommer 2015 in den Sprachheilkindergarten kommen.

Die Freude war sehr groß und wir fieberten dem Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Wie würde es wohl für ihn werden? War es wirklich die richtige Entscheidung?

Würde Carlo sich wohl fühlen? Wie würde es mit dem Fahrdienst klappen?

Was sollen wir sagen: Carlo ist ein Igelkind gemeinsam mit 7 weiteren Kindern geworden. Alle Bedenken und Sorgen, die wir uns vorher gemacht haben waren schon nach dem 1. Tag wie weggeblasen. Carlo kam freudestrahlend mit dem Taxi nach Hause und stieg strahlen aus, mit den Worten: „Mama, ist das ein toller Kindergarten.“ Und das ist bis heute so geblieben.

Unser Fahrer des Taxiunternehmens ist auch sehr nett, hat immer ein Spaß für die Kinder auf Lager und auch ein offenes Ohr während der Fahrt für die kleinen Fahrgäste.

Die Erzieherinnen und die Logopädin sind wie eine zweite kleine Familie für Carlo geworden.

Auch wenn wir als Eltern nicht den täglichen persönlichen Kontakt mit den Erzieherinnen/ Logopädin haben, werden wir trotzdem regelmäßig über den aktuellen Therapiestand informiert, z.B. über ein „Muttiheft“. Dort kann man selbst auch Fragen und Sorgen hinein schreiben. Ein offenes Ohr am Telefon ist ebenfalls immer am anderen Ende, und natürlich gibt es auch regelmäßige Elterngespräche, Hospitationen und Elternabende. Weiterhin finden auch viele Feste und Aktionen statt, wie z.B. Laternenfest, Weihnachtsfrühstück, gemeinsames Basteln, Besuche in der Bücherei, Fasching etc.

Die ersten sprachlichen Fortschritte ließen auch nicht lange auf sich warten.

Das komplette Konzept vom Sprachheilkindergarten und das Zusammenspiel mit dem Fahrdienst sind einfach überragend. Wir sind froh, dass Carlo diese Erfahrungen im Kindergarten St. Bonifatius machen durfte, spielerisch lernen ohne dabei Druck auszuüben und die Kinder so zu akzeptieren wie sie sind.

Wir können allen betroffenen Eltern nur raten, traut euch! Gebt auch ihr euren Kindern die Chance, in einer so tollen, liebevollen und kindgerechten Einrichtung, sprachliche Fortschritte machen zu können.

Wir sind sehr froh, diese Möglichkeit bekommen zu haben und freuen uns, dass Carlo dank der kompetenten Förderung, in diesem Jahr auch in die normale Grundschule eingeschult werden kann.

Herzlichen Dank an das gesamte Igelteam und die Leiterin Frau Schnettker,

sagen Carlo und seine Familie.

Jamon

Mein Sohn Jamon wurde mit einer Gaumen-Spalte geboren. Die Folge: Eine schwere Aussprachestörung. Jamon wurde von seiner Umwelt und auch teilweise in der engsten Familie nicht verstanden. Seit er 18 Monate war, wurde er logopädisch therapiert. Trotzdem war ein „normales“ Gespräch ohne „dolmetschen“ oder Zeichensprache nicht möglich. Den Sprachheilkindergarten hatten wir von Anfang an im Hinterkopf. Leider war eine Aufnahme erst ab 4 Jahren möglich. Jamon kam also in den Regelkindergarten. Eine schlimme Zeit begann für unsere Familie.

Jamon bekam 1 Jahr lang keinen Anschluss. Den Kindern wurde zum größten Teil verboten mit „so einem Kind“ zu spielen. In dem ganzen Jahr habe ich ihn nicht einmal fröhlich oder lachend abgeholt. Dann der ersehnte Anruf: Im Sprachheilkiga ist ein Platz frei!

Der Kopf sagte: Ja, endlich. Das ist genau das Richtige für Jamon. Das Herz sagte: Oh nein. In „so einen“ Kiga soll mein Sohn? Das entspräche nicht der „Norm“. Ich war sehr beunruhigt.

Am gleichen Abend fuhr ich mit meinem Mann am Kiga vorbei, um zu sehen wo mein Kind hinkommt. Danach habe ich den ganzen Abend geheult. Es war eben kein Regelkindergarten und damit war klar mein Kind ist nicht normal und muss in „so einen“ Kiga.

Doch dann hatten wir unser erstes Gespräch mit Jamons Erzieherinnen. Sofort hatte ich ein gutes Gefühl im Bauch und ich dachte: Ja, hier gehört Jamon hin. Das ist genau das Richtige für ihn. Sofort war Jamon mit den anderen Kindern im Gespräch und am Spielen. Ein Bild das ich aus dem Regelkindergarten nicht kannte. Dort saß er meistens ganz allein und traurig in der Ecke. Ich war begeistert, von den Erzieherinnen, von den Räumlichkeiten, vom Konzept. Am ersten Tag wurde abgesprochen, dass ich Jamon eher abhole, damit der Tag nicht so lang ist. Ich war um 11:00 Uhr da, um 12:00 Uhr, um 13:00 Uhr, aber mein Sohn wollte nicht nach Hause. Er fühlte sich vom 1. Tag an sehr wohl und auch hat auch gleich Anschluss gefunden. Als ich ihn am nächsten Tag aus dem Taxi holte, erwartete mich ein fröhlicher, ausgeglichener und sehr gut gelaunter Jamon.

Wir waren alle sehr glücklich, dass er endlich seinen Platz gefunden hatte.
Der Sprachheilkiga wurde wie ein zweites Zuhause für Jamon und die Erzieherinnen wichtige Ansprechpartner. Auch für uns Eltern. Wir konnten mit jedem Problem zu ihnen gehen, nie waren sie genervt, immer standen sie uns mit Rat und Tat zur Seite. Wenn ich mal einen „Durchhänger“ hatte, haben sie mich immer wieder aufgebaut.

Wir wurden mit offenen Armen aufgenommen und haben uns 2,5 Jahre sehr wohl gefühlt.

Ein Arzt sagte mal zu mir (Jamon war 18 Monate): „Der landet eh auf der Sonderschule“. Heute besucht Jamon die 2. Klasse einer Regelschule und hat ein sehr gutes Zeugnis. Er fällt sprachlich überhaupt nicht mehr auf (ganz im Gegenteil). Ohne den Sprachheilkiga hätten wir das nicht geschafft!

Liebe Eltern, hört auf euer Herz, und nicht auf eure lieben Mitmenschen. Tut nicht das, was von euch erwartet wird, nur weil es der Norm entspricht!

Wir wünschen euch und euren Kindern eine schöne Kindergartenzeit. (Auch in „so einem“ Kiga)
Uns hätte nichts Besseres passieren können, als 2,5 Jahre Sprachheilkindergarten.

Liebe Grüße, Familie Witte (Juni2013)

 

Mathis

In diesem Bericht möchten wir unsere Erfahrungen mit dem Sprachheilkindergarten St. Bonifatius wiedergeben, um anderen betroffenen Eltern evtl. die – nicht immer leicht zu treffende – Entscheidung zu erleichtern, ihr Kind vielleicht ebenfalls aufnehmen zu lassen.

Hier unsere Geschichte:

Unser Sohn (4) ist sprachverzögert. Mit drei Jahren kam unser Sohn in den örtlichen Regel­kindergarten. Er sprach sehr wenig, nur einzelne Wörter und sehr undeutlich. Bis dato liefen schon länger Therapien (Logopädie und Physiotherapie /sensomotorische Integrations­therapie). Für uns war es klar, dass unser Sohn in den örtlichen Kindergarten kommt. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nichts über Sprachheilkindergärten.

Nach zwei Monaten im Regelkindergarten baten uns die Erzieherinnen um ein Eltern­gespräch. Uns wurde mitgeteilt, dass es Probleme in der Gruppe gibt, u. a. weil unser Sohn sprachlich nicht auf dem gleichen Stand war wie seine Altersgenossen, er nicht lange "stillsitzen" kann und dort leider die Zeit fehlt, um ihn intensiver zu betreuen, wie man es dort vielleicht gerne möchte. In diesem Gespräch berichtete man uns zum ersten Mal vom Sprachheilkindergarten in Lüneburg und die dortige individuelle Förderung/Betreuung. Obwohl das Gespräch sehr angenehm war und wir schon merkten, dass sie nicht wollten, dass unser Sohn dort im Regelkindergarten "untergeht", waren wir erstmal "geschockt". Wir dachten, es hat sich jetzt alles und jeder gegen uns verschworen.

Wir waren hin- und hergerissen!

Auch das Unverständnis mach anderer Eltern, was uns entgegengebracht wurde, wühlte uns zusätzlich auf.

Einerseits wollten wir nicht, dass unser Sohn die sozialen Kontakte im Ort verliert, anderer­seits aber das Beste für ihn uns seine weitere Entwicklung.
Wir haben uns dann die Kontaktdaten des Gesundheitsamtes Lüneburg mitgenommen und die ganze Sache erstmal "sacken" lassen.

Nach Gesprächen in der Familie und auch mit der damaligen Logopädin unseres Sohnes, die vorteilhafter Weise schon einmal im Sprachheilkindergarten St. Bonifatius gearbeitet und uns im Fall unseres Sohnes sehr dazu geraten hat, weil man dort als Therapeut besser auf die Kinder eingehen und die Tagesform berücksichtigen kann, als in den üblichen 45 Minuten Sitzungen, haben wir uns entschlossen, unseren Sohn dort aufnehmen zu lassen.

Nach einer erforderlichen Untersuchung durch die Amtsärztin des Gesundheitsamtes stand auch für diese fest, dass unser Sohn den Sprachheilkindergarten besuchen sollte. Wir haben den Antrag auf Kostenübernahme für die sogenannte Eingliederungshilfe dann beim Land­kreis Lüneburg gestellt. Es blieb jetzt noch das Gutachten des Sprachheilbeauftragten, Herrn Schlüter, abzuwarten. Dieser Termin bei Herrn Schlüter fand dann kurze Zeit später statt und auch er empfahl uns den Sprachheilkindergarten und schrieb ein entsprechendes Gutachten.

Zwischenzeitlich hatten wir dann zweimal den Sprachheilkindergarten St. Bonifatius besucht. Wir wurden von Frau Schnettker sehr herzlich empfangen. Sie erklärte uns in aller Ruhe das Konzept des Sprachheilkindergartens und beantwortete alle Fragen. Bei einem Rundgang durch den Kindergarten konnten wir alle Gruppenräume und die Turnhalle ansehen. Außer­dem lernten wir schon ein paar Erzieher/innen und Kinder kennen.

Uns gefiel gleich die entspannte Ruhe die dort herrscht, die kleinen Gruppen, jede im ei­genen gemütlichen Gruppenraum mit max. 8 Kindern und das "Komplettpaket" aus intensiver begleitender Betreuung in der Gruppe und in den Therapien nach einem für jedes Kind eigens aufgestellten Therapieplan.

Auch unser Sohn fand den Kindergarten nach Besichtigung und "Probespielen" toll. Seitdem waren alle Zweifel beseitigt. Uns war klar, unser Sohn sollte auch diese Chance bekommen, in dieser tollen Atmosphäre "aufzublühen".

Dann endlich kam der positive Bescheid des Landkreises, unser Sohn war aufgenommen.

Wenig später folgte der erste Infonachmittag. Wir lernten die Erzieherinnen und Therapeuten aus der Igelgruppe kennen, in die unser Sohn kommen sollte.

Ergänzend erwähnen möchten wir auch die sehr gute "Elternbetreuung" und die Zusammen­arbeit mit "unserer Logopädin", die uns regelmäßig mit tollen Hausaufgaben versorgt J. Die Eltern werden überhaupt mit allen wichtigen Infos versorgt und regelmäßig zu Gesprächen und Festlichkeiten eingeladen.

Unser Fazit nach knapp einem Jahr Sprachheilkindergarten St. Bonifatius:

Eine sehr gute Entscheidung! Die Fortschritte in der sprachlichen sowie überhaupt in der gesamten Entwicklung unseres Sohnes sind nicht zu übersehen. Sein Selbstbewusstsein ist ernorm gestiegen. Das Schönste für uns ist, dass unser Sohn jetzt auch endlich Freude an der Sprache hat und sie immer bewusster für sich nutzt und einsetzt und auch das Gespräch sucht. Schön ist auch die Bestätigung von außen, z. B. von Bekannten, die wir nicht regelmäßig sehen und die jedes Mal erstaunt sind über die stetigen Fortschritte.

Wir hoffen noch auf ein schönes weiteres Jahr im Sprachheilkindergarten.


Danke liebes Kindergartenteam!!

B. und M. Talke, Eltern von Mathis aus der Igelgruppe.

Juni 2013

 

 

Marie und Ayla

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Ann-Cathrin

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