Aktuelles aus dem Kinder- und Jugendhilfebereich

Dreitägige Fortbildung "Prodema" in St. Bonifatius

vom 14. bis 15.02.2012 sowie am 22.02.2012 von 8:00 bis 16:00 Uhr.


www.prodema-online.de

St. Bonifatius hat seiner Spezialisierung ein weiteres Mal Rechnung getragen und seine pädagogischen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in professionellen Deeskalationstechniken dreitägig geschult. Die Veranstaltung bestand zu 1/3 aus Theorie und zu 2/3 aus St. Bonifatius orientierten Rollenspielen, die gefilmt und anschließend reflektiert wurden.

 

Das Deeskalationskonzept beinhaltet vier Stufen:

  1. Verhinderung der Entstehung von Gewalt und Aggression
  2. Veränderung der Sichtweisen und Interpretationen aggressiver Verhaltensweisen
  3. Verständnis der Ursachen und Beweggründe aggressiver Verhaltensweisen
  4. Kommunikative Deeskalationstechniken im direkten Umgang mit hoch angespannten Personen

 

Unsere Philosophie lautet:

  • Unsere Jugendlichen haben ein Recht auf geschultes Personal. Geschultes Personal versteht es, mit den Anspannungszuständen und Aggressionen professionell umzugehen.
  • Unsere Mitarbeiter haben ein Recht auf Schulung, um mit dieser schwierigen Zielgruppe umgehen zu können. Damit wird auch der eigene Arbeitplatz in „doppelter Hinsicht“ sicher.
  • Unser Ziel ist die Vermeidung von psychischen und physischen Verletzungen jeder Art sowohl des Mitarbeiters als auch des Jugendlichen.

Eigene Reaktionsmuster müssen im beruflichen Kontext verändert werden und eine kritische Grundhaltung zur Erkennung aggressionsauslösender Reize entwickelt werden [subtile Bestrafungen, Gruppenregeln, Gewohnheiten im Umgang mit Jugendlichen, etc.].

Die Fortbildung war ein voller Erfolg; mit Herrn Anlauf hatten wir einen hochkompetenten Trainer bekommen, der die Veranstaltung professionell geleitet hat.

Die Rückmeldungen der Mitarbeiter aus den Wohngruppen lauten einstimmig, dass die erlernten Methoden einen guten Betrag leisten zur Reduzierung von Eskalationen.

 

 

Lüneburg, 29.3.2012

 

Joachim Else
Bereichsleiter Kinder- und Jugendhilfe

 

 

Elternnachmittag in Wohngruppe 2

Am 14. Oktober lud die Wohngruppe 2 zu einem herbstlichen Familiennachmittag ein. Eltern, Großeltern und Geschwister waren geladen und wurden von den Mitarbeitern als auch den Jugendlichen herzlich empfangen. Der gemütliche und liebevoll dekorierte Gruppenraum lockte zudem auch Freunde der Bewohner. Das reichhaltige Büffet hatte für jeden Geschmack etwas zu bieten und begeisterte sowohl die Bewohner als auch die Gäste. Ein besonderer Dank gilt der Hauswirtschaftlerin Frau Rohde.

 

 

In gemütlicher Runde konnten die Verwandten die neue Kollegin der Wohngruppe, Frau Yesilmen, kennen lernen. Auch die Eltern lernten sich untereinander einmal persönlich kennen, so konnte auch gleich ein Wochenendbesuch zweier Bewohner persönlich abgesprochen werden.
Es ist immer wieder ein schönes Erlebnis die Bezugspersonen unserer Jugendlichen persönlich kennen lernen zu dürfen. Diese Ansicht teilten auch die Eltern, eine Mutter verabschiedete sich mit den Worten „Da haben Sie sich aber Mühe gegeben. Es war schön Sie alle mal zusammen zu erleben.“ Und auch unsere Jugendlichen genossen das rege Treiben und die Aufmerksamkeit. Es wurden stolz Zimmer gezeigt, Bezugsbetreuer vorgestellt und Gespräche jeder Art geführt.
Die Resonanz zeigt noch einmal wie bedeutsam der persönliche Kontakt ist und regt zu weiteren Aktionen und Festlichkeiten an!

 

12.12.2011, Kathrin Dauck (Dipl.-Päd.)

 

 

 

Inhouse Fortbildung zum Thema „Selbstverletzendes Verhalten“
in St. Bonifatius am 17.03.11 und 05.05.11

 

Da immer wieder junge Menschen in unserer Einrichtung aufgenommen werden, die sich selbst verletzen, fand am 17.03.11 und 05.05.11 in St. Bonifatius eine Inhouse Fortbildung statt, die die beiden Diplom-Psychologinnen Frau Beer und Frau Schultz gestalteten.

Ziel der Veranstaltung war zum einen, selbstverletztendes Verhalten in seinem Kontext und seinen verschiedenen psychischen Funktionen besser zu verstehen sowie mögliche Ursachen dieses komplexen und vielschichtigen Phänomens aufzuzeigen. Zum anderen wurde ausführlich der Umgang mit selbstverletzendem Verhalten im pädagogischen Alltag thematisiert, diskutiert und geübt.

 

Im ersten Teil der Veranstaltung am 17.03.11 wurden hierbei insbesondere folgende Bereiche angesprochen:

  • Vermittlung einer hilfreichen Haltung und dessen konkrete Umsetzung im pädagogischen Alltag
  • Umgang bei Auftreten von erstmaligem selbstverletzenden Verhalten in der Wohngruppe
  • Umgang mit Nachahmungen von Selbstverletzungen
  • konkrete Strategie vor selbstverletzendem Verhalten
  • konkrete Strategie und Vorgehen nach selbstverletzendem Verhalten.

 

Am 05.05.11 wurde schwerpunktmäßig die Strategie vor selbstverletztendem Verhalten in Rollenspielen geübt. Außerdem wurde ein neu entwickelter Bogen „Verhaltensanalyse nach Selbstverletzung“ vorgestellt, den die Jugendlichen nach einer Selbstverletzung ausfüllen und der eine Grundlage der Therapie darstellt. Des Weiteren blieb ausreichend Platz für eine rege Diskussion.

 

Zum Abschluss der Veranstaltungen bedankte sich der Gesamtleiter von St. Bonifatius Herr Dr. Manfred Drees bei den beiden Referenten herzlich für die gelungene und informative Veranstaltung und stellte fest, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt noch besser mit solchen schwierigen Situationen umgehen können.

 

Anbahnungsmanagement

Kürzlich erhielten wir im Rahmen unserer ambulanten Betreuung die Anfrage, ob wir uns vorstellen könnten, einen Jugendlichen für einen Heimaufenthalt in unserem Hause zu motivieren.
Über dieses Vorhaben berichten wir in Folge ein wenig: Das gesamte informelle und formelle Helfersystem einschließlich der Sorgeberechtigten sah eine stationäre Unterbringung dringlich indiziert, dazu hatte der „junge Mann“ allerdings eine gänzlich andere Auffassung. Wir übernahmen die Anfrage und nannten das ganze „Anbahnungsmanagement“.
Den äußeren Rahmen des „Anbahnungsmanagements“ bildeten Fachleistungsstunden. Bei H. aus H. leistete eine Diplom- Pädagogin 8 Wochenstunden über einen Zeitraum von 2 Monaten. Sie suchte den Jugendlichen 2-3 mal wöchentlich für jeweils 2-4 Stunden auf. Der Termine wurden individuell mit dem Jugendlichen und der Sorgeberechtigten vereinbart.

Die Betreuerin suchte den Jugendlichen direkt an seinem Wohnort auf. Es ging dabei nicht allein um die Informationsvermittlung, besonders die Beziehungsarbeit stand im Vordergrund. Ängste, aber auch Vorurteile gegenüber einer stationären Einrichtung sollten sowohl beim Jugendlichen als auch bei seinen Bezugspersonen abgebaut werden.
Dem Jugendlichen wurde in gezielten Gespräche Informationen über die Einrichtung, die Mitarbeiter und die anderen Bewohner und deren Zusammenleben vermittelt. So begleitete ein Bewohner die letzten Fachleistungsstunden, um dem Jugendlichen ganz persönlich von seinen Erfahrungen zu berichten. Auch Einzelaktionen spielten eine entscheidende Rolle, um den Jugendlichen kennen zu lernen und Vertrauen aufzubauen. In Gesprächen mit Eltern, Geschwistern und Freunden konnte in familiärer Atmosphäre zugleich eine Anamnese erfolgen, die in diesem Rahmen heimintern kaum zu leisten ist. Die gesammelten Informationen wurden regelmäßig dokumentiert und dem Jugendamt zur Verfügung gestellt. Ferner erstellte die Betreuerin einen Abschlussbericht.

Durch das Anbahnungsmanagement war es möglich, den Jugendlichen Schritt für Schritt an die Jugendhilfeeinrichtung anzubinden. So fanden zunächst kleine Ausflüge nach Lüneburg statt, um überhaupt einmal den Ort des Geschehens zu erkunden. Erst bei einem weiteren Besuch, zusammen mit einem guten Freund, war der Jugendliche bereit die Einrichtung zu betreten. Das Einbeziehen von Familie und Freunden liegt uns am Herzen und wurde daher auch bei diesem Konzept nicht außer Acht gelassen. Im nächsten Schritt stände ein Probewohnen an, um dem Jugendlichen den Umzug in unsere Einrichtung und damit den oft schmerzlichen Abschied von der gewohnten Umgebung zu erleichtern.

 

Katrin Dauck, Dipl.-Päd., 9.3.11

 

Erlebnispädagogisches Wochenende am Steinhuder Meer

Am 25.06.2011 machte sich die Wohngruppe 1 mit zehn Jugendlichen und zwei Betreuern auf den Weg zum 2 Stunden entfernte Steinhuder Meer. Hier sollte sich alles um das Thema „Team“ drehen.

Der Samstag fand ganz nach dem Motto „Teamspiele und Teamarbeit“ statt. Hierfür standen vormittags unterschiedlichste Gruppenspiele und –übungen zur Verfügung.
Nachmittags waren wir im Kletterpark und haben insgesamt vier Stationen bewältigt, die allesamt ein hohes Maß an Vertrauen und Zusammenarbeit erfordert haben. Während immer zwei Jugendliche oben in den Stationen unterwegs waren, wurden sie jeweils von drei weiteren Jugendlichen gesichert. Hierbei haben sich viele Jugendliche selbst überwunden und sind über sich hinaus gewachsen.


Den Abend verbrachten wir in der Jugendherberge mit Gesellschaftsspielen.

 

Am Sonntagmorgen startete das nächste Abenteuer: Floßbau. Wer nun denkt, da binde ich einfach ein paar Sachen zusammen, der hat sich getäuscht. Floßbau hieß: Theorie über Luft und Körpermasse ebenso wie Knotenkunde. Nach vielen Beratungen gelang es schließlich beiden Teams zwei tolle Flöße fertig zu stellen, die nach dem Mittagessen auf ihre „Wassertauglichkeit“ geprüft wurden. Als diese bestanden war, hieß es: ab ins Wasser, rauf auf die Flöße und los geht’s. Paddelnd setzten wir uns auf dem Steinhuder Meer Ziele und genossen es, dass im richtigen Moment die Sonne raus kam. Nachdem wir unsere Runde beendet hatten, wurden die Flöße wieder auseinander gebaut und alle Knoten aus den Seilen entfernt. Nach einer Abschlussrunde hieß es wieder Sachen zusammensammeln und zurück Richtung Lüneburg.

 

Was wir gelernt und mitgenommen haben, lässt sich noch weniger in Worte fassen, wie die Erfahrungen, welche die Jugendlichen miteinander gemacht haben. Hier nur ein paar Schlagworte: Zusammenhalt, Team, Respekt, gemeinsam sind wir stark, sich aufeinander verlassen usw.

 

Ann-Kristin Wiechmann, 02.07.2011
Gruppenleiterin